September 2022

Von Mahdgut und Apfelcrumble

Juhu, ein neuer Blog-Eintrag. Und diesmal von mir, Paula, denn ich möchte euch vom schönsten und wohl chaotischsten September meines Lebens erzählen!

Bevor ich beginne, enormst detailiert von unserem Monat zu berichten, muss ich mich erst mal wieder vorstellen. Im August habe ich mich vermutlich öfter vorgestellt als im gesamten Rest meines Lebens (gefühlt zumindest), deshalb sollte ich darin ja mittlerweile Übung haben.

Also: Ich bin Paula, 17 Jahre alt (auch wenn ich das ungerne sage, weil es mir zu jeglichen Gelegenheiten auf die Nase gebunden wird) und komme aus Petershagen –  dem Petershagen, das östlich von Berlin in Brandenburg liegt (das schreibe ich, weil es mindestens eine Kettendumperladung Gemeinden mit diesem Namen gibt).

Vor dem FÖJ habe ich mein Abitur gemacht (fühlt sich an wie ein anderes Leben) und danach drei Monate auf einem Pferdehof gearbeitet und gewohnt. Ich war in jeder freien Minute nicht Zuhause, von daher fühl es sich nicht komisch oder ungewohnt an jetzt hier in der WG zu leben und mein Leben selbst in der Hand zu haben.

Ich bin der Stationskobold hier, zumindest würde Steffi mich so vorstellen, denn er erwähnt ab und zu, dass er immer an kleine freche Sagenwesen wie Wichtel, Trolle oder Kobolde denken muss, wenn er mich anschaut. Das liegt höchstwahrscheinlich auch daran, dass ich nicht anders kann als zu grinsen, wenn wir mit den Jungs zusammen sind, weil es einfach so unglaublich lustig ist und enorm Spaß macht, hier zu sein. Außerdem habe ich ständig neue Ideen, was wir hier so alles anstellen.. ich meine tun könnten, die Johanna und ich ja auch ganz fleißig umsetzen ;)

Es ist September. Beim Schreiben dieses Wortes muss ich unweigerlich daran denken, wie lang mir das FÖJ schon vorkommt. Oder wie kurz. Die Zeit vergeht hier nämlich deutlich anders als irgendwo sonst auf der Welt. Kaum ist man hier ist schon der August vorbei und doch fühlt sich jeder einzelne Tag , jeder einzelne Monat an wie ein eigenes Jahr. Irgendwie konfrontiere ich mich schon jetzt mit dem Ende unseres FÖJ, obwohl ich weiß, dass es dafür viel zu früh ist, denn es wir haben ja noch ganze 10 Monate hier oben, aber ich komme nicht umhin darüber nachzudenken wie (leer) das Leben danach wohl sein wird…

Hier auf der Birk erlebt man nämlich wirklich jeden einzelnen Tag ein kleines oder großes Abenteuer. Steffi würde sagen ‚Irgendwas ist ja immer‘ und ich kann dazu nur sagen: Stimmt!

Und das ist echt schön so.

Unser September fing zum Beispiel mit etwas an, auf das wir uns beide schon die ganze Zeit gefreut haben: Brielmaier fahren! Üwi hatte mit dem Schlepper die Kuhlenkoppel gemäht und die Mahd musste geschwadet werden, bevor wir sie mit dem Schlepper zu handlichen Heuballen pressen, aufstellen und einige Tage später auch verladen konnten.

Also holten wir nach einem Online-Treffen, bei dem alle FÖJis des Trägers Koppelsberg anwesend waren, mal eben dieses spannende Gerät aus der Beveroer Scheune. Und mit ‚mal eben‘ meine ich: Mit Hindernissen.

Als wir ankamen, berichteten Üwi und Micha, unser derzeitiger Praktikant, uns nämlich, dass der Hängerschlüssel für den Hänger, auf dem der Brielmaier steht, noch in der Station liegt. Das bedeutete also: Den ganzen Weg zurück fahren, den Schlüssel suchen, Kaffee kochen, den Schlüssel wirklich finden!, Tassen einpacken und wieder nach Beveroe. Nach einer Tasse Kaffee und dem Abladen des Brielmaiers fuhren Johanna und ich dann direkt wieder in die Richtung, aus der wir jetzt schon zwei Mal gekommen waren, um rechtzeitig bei der Konik-Führung zu sein. So verlaufen manche Tage chaotisch und eher holprig, während andere – zum Beispiel der darauffolgende Freitag – ziemlich glattlaufen. An dem Tag schafften wir es nämlich die ganze Kuhlenkoppel zu bearbeiten (so, wie ich oben schon erklärt habe) und dass trotz fehlendem Sachsband, ausgiebiger Kaffeepausen und unsern ersten Brielmaier-Fahrversuchen!

Wie ich schon oben erwähnt habe, September war chaotisch. Ich finde das aber super, denn Chaos bedeutet meistens, dass viel passiert und das kann man von diesen 30 Tagen mit gutem Recht behaupten! Sie waren prall gefüllt.

Unser erstes Septemberwochenende startete mit eine wunderschönen Gartenparty. Wir haben relativ spontan alle Menschen eingeladen, die wir bisher hier kennengelernt haben und so saßen ab 15 Uhr Dorfbewohner, Ornithologen, FÖJler vom Natuerlebnishof Helle, die sich an dem Tag die Birk angeschaut hatten, die Jungs und einige weitere gemeinsam bei Sonnenschein im Stationsgarten und schlemmten was das Zeug hält (Kaffee wurde an dem Tag natürlich auch reichlich getrunken, Üwi hatte sage und schreibe 7 1/2 Tassen! Ob ich dazu beigetragen habe in dem ich ihm ständig neuen gebracht habe? Ach Quatsch!)

Wenn ich an den Tag zurückdenke habe ich sofort Lust nochmal eine Gartenparty zu veranstalten, jetzt gerade hängen unsere drei Apfelbäume nämlich noch voll reifer Früchte, die Sonne strahlt auf die Terrasse und der Wind rauscht in der Kastanie – eigentlich ein perfekter Moment um die Menschen hierher einzuladen!

Menschen hatten wir diesen Monat viel!

Jeremias, der zu der Zeit ein Praktikum in Schleimünde gemacht hat, kam oft vorbei, wir hatten mehrmals Besuch von Freunden aus unserer Seminargruppe und von einigen Landesdeligierten, also FÖJ-Sprecher*innen, die Johanna eingeladen hatte.

Es fand hier sogar ein Vorbereitungstreffen für das nächste Seminar statt, bei dem wir spontan in der Mittagspause Apfelcrumble buken und am Strand entlangspazierten.

Außerdem durften wir Anfang des Monats bei einer Abteilungsfortbildung dabei sein, die enorm unterhaltsam war, und das nicht nur weil wir unserem Buffett beim davonschwimmen zusehen konnten (eine kurzer, starker Regenguss hatte uns mal kurz ‚Hallo‘ sagen wollen), sondern auch, weil wir nach der Führung durch Holnis noch das Glücksburger Schloss besichtigen. Sagen wir mal so – ich wusste nicht, dass erwachsene Menschen SO viel Spaß daran haben können, sich gegenseitig in den großen Sälen Wettrennen auf übergroßen Hagrid-Pantoffeln zu liefern und das Steffi so einen guten Baron oder Grafen abgeben kann – mehr kann und darf ich dazu allerdings nicht sagen ;)

Darüber hinaus musste ich mal wieder feststellen, dass der Stationskaffee einfach der Beste ist. Seit ich hier bin trinke ich meinen Kaffee nämlich schwarz und der Verbrauch beläuft sich auf rund vier Tassen am Tag…

Richtig gearbeitet haben wir natürlich auch – die Flächen im Os haben Tommi und Micha gemäht, während ich vier Tage in Folge Tresendienst hatte – alle anderen waren im Urlaub.

Johanna ist nämlich für einige Tage nach Hause und in den Schwarzwald gefahren. Dadurch hat sie aber leider auch das erste Rindertreiben verpasst – bei strömendem Regen fuhr ich morgens mit dem Fahrrad nach Beveroe und half drei Mitarbeitern von Bunde Wischen, die hier Flächen gepachtet haben und diese mit ihren Galloways beweiden, die Tiere in die Fanganlage zu treiben und zu sortieren. Als sie dann auf den Außendeich gebracht wurden, musste ich leider los… Tresendienst! An dem Tag besuchte sage und schreibe EINE Person die Ausstellung.

In den folgenden Woche fingen wir dann an, die Mahd im Os abzutragen, wobei ich eine neue, große Liebe entdeckte – den Kettendumper! Das ist ein weiteres, super tolles Gefährt, mit dem man richtig gut in etwas unwegigerem Gelände unterwegs sein kann. Und nein, dazu zählen keine zerfurchten, matschigen Gräben, in denen man als Mensch schon bis zum Schienbein einsinkt. Aber das weiß ich natürlich nicht aus Erfahrung!

Die Rumpelstilzchen-Rolle habe ich – wie Delphine vor mir – mit großer Freude übernommen und fühlte mich wie ein kleines Kind auf dem Trampolin – Gras federt sooo gut!

Am Dienstag fuhr ich direkt aus dem Os nach Kiel, wo die erste Ausschuss-Sitzung stattfand. Am Bahnhof liegt vermutlich immer noch das halbe Os, das ich in meinen Hosentaschen, Schuhen und in den hochgekrempelten Hosenbeinen dorthin transportiert habe, aber vielleicht freut sich ja das ein oder andere Bahnhofskaninchen darüber.

Es war mein erstes Mal in Kiel und mein Fazit ist, dass es nicht so hässlich war wie von vielen angekündigt, allerdings habe ich mich fast nur in der Nähe des Hauptbahnhofs und in der Fußgängerzone bewegt, mein Urteil ist also wohlmöglich verfälscht.

Der Ausschuss selbst war super spannend, es gab Kekse und Kaffee und es wurden teilweise enorm hitzige Diskussionen geführt, in die wir FÖJis uns so gut es ging miteingebracht haben. Am Abend tauschten wir Geschichten aus und ich muss schon sagen – die FÖJis von den Halligen konnten Dinge erzählen, die zumindest fast so absurt waren wie einiges, was wir hier bisher erlebt haben.

Zum Beispiel die Geschichte von Touristen, die einen sterbenden Komoran in einen Eimer und dann in ihr Auto setzten, um mit ihm einmal um die komplette Hallig zu fahren, damit er vor seinem Tod „zumindest noch ein bisschen was von der Insel gesehen hat“… mehr muss man dazu ja hoffentlich nicht sagen!

Als ich dann nach 24 aufregenden Stunden durch Falshöft nach Hause lief und es zum Abschluss des Tages ein Festmahl von Schmedeke gab, das Hannah, Lotta und Finnja (die gerade zu Besuch waren und übrigens diesen Blog hier gestartet haben) besorgt hatten, war ich trotz Allem sehr glücklich wieder Zuhause zu sein.

Neben größeren Projekten wie dem Os und Wegeaufhieb einmal rund um die Birk hatten wir auch ab und zu wieder Tageseinsätze außerhalb der NSGs die wir betreuen.  

Da war zum Beispiel der Abriss einer illegalen Küstenschutzanlage in Noorgaardholz. Dort wurden am Strand große Metallkäfige mit Steinen gefüllt und mit Beton übergossen. Außerdem wurde mithilfe von großen Steinen und Gehwegplatten eine Art Buhne gebaut, die wir ebenfalls entfernen mussten. Mit einem großen Bagger und einem kleinen Hilfsbagger, bei dem die Redewendung „Klein aber Oho“ definitiv zutrifft, sowie mit allem möglichen Werkzeug (Flex, Brechstange, Vorschlaghammer,…) ‚bauten‘ wir alles wieder zurück. Der schöne Arbeitsort (direkt am Strand, bei strahlendem Sonnenschein und mit einem schönen Steg auf dem wir die Mittagspause verbrachten) motivierte uns sehr und so waren wir schwupp-die-wupp schon wieder fertig.

An einem anderen Tag fuhren wir mit dem Schlepper und Freischneidern im Gepäck nach Maasholm. Auf der einen Seite die Schlei, auf der anderen die Ostsee – wir haben schon traumhafte Arbeitsplätze!

Die Regentage nutzen wir dann für kleine und größere Reparaturen, brachten die Fahrräder so gut es ging wieder auf Vordermann, belebten Johnny, das Stationsmoped, das das letzte Mal 2015 die Marmeladenstaße unsicher machte, wieder und Micha und Tommi pimpten die Werkbänke auf, sodass Gammeldamm wieder im schönsten Schein erglänzt.

An einem Montagmorgen bemerkten die Jungs dann, dass Nils am Donnerstag ja – wer hätte es ahnen können – 60 wird und man ja vielleicht etwas für diesen höchst feierlichen Anlass vorbereiten sollte. Nach regen Diskussionen ob Nils nun geräucherten Aal oder eher Lachs mag und gegen welches der vielen Fischgeschäfte er eine heftige Abneigung hat, entschieden wir uns für einen Fischgutschein in Verbindung mit einem eher speziellen Geburtstagsvideo. Das ganze uferte in einem punktgenauen Drehbuch, Nächten vor dem Laptop (mit vielen Tassen Kaffee) und einem Video, das perfekt zur ISGB passt, einen auf den ersten Blick allerdings einfach nur „Hä?“ denken lässt aus. Genau das war übrigens unser Ziel! :)

So voll dieser September war, so schnell ging er vorbei. Ich muss endlich aufhören daran zu denken, das das unser erster und letzter September hier ist. Und unser erster und letzter Oktober und… naja, lassen wir das!

Die Vorfreude auf die nächsten Monate ist unglaublich. Es wird bestimmt abenteuerlich, ruhig aber auch – die Saison geht zu Ende, Tresendienst und Führungen finden nicht mehr statt, die Tage werden kürzer und nasser – wobei: so oft wie wir in den letzten Monaten ins Wasser gesprungen sind, stimmt das bestimmt nicht ganz.